von Hütte zu Hütte – Krimmler Tauern

VON HÜTTE ZU HÜTTE IM GRENZGEBIET ZWISCHEN ZILLERTALER ALPEN UND HOHEN TAUERN August 2004

Nachdem wir letztes Jahr bei unserer Tour auf das Schönbichler Horn schon einmal Höhen- und Hüttenluft geschnuppert hatten, wollten wir in diesem Jahr unbedingt mal eine Tour mit mehreren Hüttenübernachtungen machen und uns an einem weiteren 3000er versuchen.
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1. TAG:

Gestartet sind wir am 1.8. von Krimml ( 1060 m) aus, nachdem wir nach einigem Suchen endlich einen Parkplatz mitten im Ortszentrum von Krimml gefunden hatten, auf dem das Parken nicht 4€ pro Tag kostet, sondern tatsächlich umsonst ist. ( Man kann auch auf den Parkplätzen an der Gerlospaßstraße umsonst parken, muss dann allerdings die Maut für die Paßstraße zahlen.) Unser Weg führte uns an den Krimmler Wasserfällen ( 1,50 € Gebühr für die Erhaltung des Wegs ) vorbei, denen wir diesmal aber recht wenig Aufmerksamkeit schenkten, da wir ja noch einiges vor uns hatten. Nach dem obersten der 3 Wasserfälle verläuft der Weg fast eben bis zum Krimmler Tauernhaus ( 1622 m ).

Krimmler Tauernhaus

Krimmler Tauernhaus

Krimmler Tauernhaus

Wir haben für den Weg dorthin von Krimml aus 2 Std 40 Min gebraucht und haben uns dort erst einmal eine Brotzeit gegönnt. Frisch gestärkt haben wir dann den Weg zur Richterhütte in Angriff genommen. Der Weg führt vom Tauernhaus in westlicher Richtung die ersten 240 hm steil durch den Wald hinauf und verläuft dann immer parallel zum Rainbach bis zur Talstation der Materialseilbahn der Richterhütte, die wir nach ca. 2 Std. erreicht hatten. Dort stehen Skistöcke für den leichteren Aufstieg zum Ausleihen bereit. Mir persönlich wäre ein Rucksacktransport zur Hütte lieber gewesen, da ich zum erstenmal mit Hochtourenrucksack unterwegs doch ganz schon zu Schleppen hatte. Wurde aber leider nicht angeboten und so musste ich die letzten 20 Min. steil hinauf zur Hütte über Felsplatten und Stufen noch mit schwerem Rucksack meistern.

Richterhütte

Die Hütte zählt zur Kategorie 1 der Alpenvereinshütten, hat 10 Betten, 40 Lager und 6 Notlager. Auf dem Flur gibt es Waschgelegenheiten mit Vorhängen und fließend eiskaltem Wasser. Wir hatten das Glück ein 2-Bett Zimmer zu bekommen und da in der ersten Nacht außer uns nur 7 Leute auf der Hütte übernachtet haben, hatten wir eine recht ruhige Nacht.

2.TAG:

Nach dem Frühstück in der Hütte ( zu dem man neben den normalen Hüttenfrühstück sogar Müsli mit Joghurt bekommen konnte ) sind wir gegen 8.00 Uhr in Richtung Richterspitze ( 3052 m ) aufgebrochen. Der Weg führte zunächst fast eben durch Felsblöcke und über einige Schneefelder, bei denen man aufpassen musste nicht einzubrechen und sich nasse Füße zu holen. Nach einiger Zeit mussten wir dann zwei Schneefelder queren, die recht steil waren. Wir waren froh um unsere Grödel, da sie uns bei unseren leichten Bergschuhen doch ein gewisses Gefühl von Rutschsicherheit gaben. Anschließend ging es dann z.T. recht steil über lose Felsblöcke weiter, bis wir zum letzten Schneefeld unterhalb der Gamsscharte kamen. Über das Schneefeld sind wir einfach den schon vorhandenen Spuren gefolgt, was sich später als Fehler herausstellen sollte.

Auf das Schneefeld folgte dann eine Kletterstelle die es für uns in sich hatte. Weil der Hermann der Meinung war, dass ich den direkten Weg nicht hinaufklettern könne, habe ich mich dann aufgemacht mir links davon eine eigene Route zu suchen, was zunächst auch ziemlich gut aussah. Etwa auf halber Strecke sind mir dann die Tritte für die Füße ausgegangen. Über mir noch etwa 2 Meter steiler Hang aus Fels, Erde und Geröll , unter mir ein ziemlich steil abfallendes Schneefeld. In dem Moment hatte ich zum ersten Mal wirklich das Gefühl, dass mir jetzt nur noch die Bergwacht helfen kann. Nach ein paar Minuten hab ich dann angefangen mit aus dem Erd- Geröllgemisch mit einer Hand winzig kleine Tritte herauszuschaufeln und hab es dann irgendwie geschafft, doch dort hinauf zu klettern. Oben angekommen haben wir dann wieder den eigentlichen Weg erreicht, der in ein paar Metern seilgesichert hinauf zur Gamsscharte führte.

Dort oben steht eine verfallene Unterstandshütte, vor die wir uns erst einmal hingesetzt haben und versucht haben unseren Adrenalinspiegel wieder zu senken, was aber gar nicht so leicht war, da wir ja gewusst haben, dass wir den gleichen Weg auch wieder hinunter müssen. Durch unsere unfreiwillige Klettereinlage und durch insgesamt 3 Mal Grödel an- und ausziehen haben wir für den Weg hinauf zur Gamsscharte ( 2972 m) statt der angegebenen 2 Std. schon länger als 3 Std. gebraucht.

zur Richterspitze

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Die letzten 80 hm auf den Gipfel der Richterspitze hätten dann noch einmal einiges an Kletterkunst erfordert, wozu wir uns in unserer derzeitigen Verfassung nicht mehr in der Lage gesehen haben und weshalb wir dann beschlossen haben, auf den Gipfel zu verzichten. Beim Abstieg haben wir dann gesehen, dass wir auf dem letzten Schneefeld nicht geradeaus hätten gehen müssen, sondern rechts hinauf durch eine Rinne, die noch voller Schnee lag, weshalb wir die Wegmarkierungen nicht gesehen haben. Nach insgesamt 6 Std. waren wir auf jeden Fall froh wieder in der Richterhütte zu sitzen.

3. TAG:

Am dritten Tag hieß es dann Abschied nehmen von der Richterhütte. Beim Frühstück ist uns noch aufgefallen, dass es anscheinend die Standardantwort des Hüttenwirts auf die Fragen nach den Wetteraussichten ist mit : „ Gut, gut ” zu antworten. Ebenso wurden alle Fragen nach der Begehbarkeit von Wegen mit „das passt schon ” beantwortet. Gegen 8.00 Uhr sind wir dann in Richtung Zittauer Hütte aufgebrochen. Dazu mussten wir erst einmal wieder bis zur Materialseilbahn absteigen. Kurz dahinter ging es dann links über den Rainbach und zuerst leicht später dann mäßig steil am Hang hinauf. Wir mussten wieder einige Schneefelder queren, was jedoch kein Problem war, da keins von ihnen steil abfallend war. Erst kurz unter der Roßkarscharte kam ein Schneefeld, was ohne Grödel etwas heikel zu überqueren war. Rauf ging es noch so, runter hätten wir sie bestimmt angeschnallt. Danach ging es dann noch ein paar Meter ziemlich steil und rutschig ( Erde und Geröll ) hinauf zur Roßkarscharte. Bis hierher haben wir mit einigen Pausen ca. 2,5 Std. gebraucht. Von der Scharte ging es zunächst ein Stück auf dem Weg Richtung Zittauer Hütte weiter, bis rechts der Steig auf den Rosskopf abzweigte. Der Weg auf den Rosskopf ist eine nicht übermäßig steile Kraxelei über z.T. lose Blöcke aber nur an 1-2 Stellen ist der Weg ausgesetzt. Am Gipfel hat man einen wunderschönen Rundblick aber leider hat der Wind dort so gepfiffen ( ich hatte meine Fleecejacke + Regenjacke darüber an ) , dass wir uns dort nicht lange aufgehalten haben.

Roßkarscharte

Zurück ging es dann wieder über den Aufstiegsweg und weiter auf dem Weg Richtung Zittauer Hütte. Der Weg ging zwar weiter über z.T. lose Blöcke und Schneefelder, war aber nur wenig steil und von daher problemlos zu begehen.

unterer Gerlossee Zittauer Hütte

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Von der Zittauer Hütte waren wir schon beim Anblick von außen begeistert. Die Hütte ist zum großen Teil mit Holzschindeln verkleidet und hat grüne Fensterläden mit einem Edelweiß darauf. Die Wirtstube im Erdgeschoß ist komplett mit hellem Holz ausgestattet. Wir haben wieder ein Doppelzimmer bekommen, in dem auch die Decke und die Wände mit Holz verkleidet waren. Da die Hütte im Jahr 2000 komplett saniert wurde, gibt es im Obergeschoß noch einmal einen extra Waschraum mit fließend warmen und kaltem Wasser, Toiletten und einer Dusche, für die man beim Hüttenwirt einen Chip für 2 € und 3 Min. Duschen erwerben kann. Die Zittauer Hütte haben wir gegen 13.00 Uhr erreicht. Einen Nachteil hat die Hütte allerdings auch. Sie ist vom Parkplatz Finkau aus relativ leicht zu erreichen, was natürlich auch viele Tageswanderer anlockt. Nach 2 Tagen auf der Richterhütte haben uns diese mehr oder weniger einen kleinen Zivilisationschock verpasst.

4.TAG:

Da viele Leute von der Zittauer Hütte aus recht früh aufgebrochen sind und es im Haus recht unruhig war, waren auch wir schon früh auf und sind schon um 7.20 Uhr in Richtung Trisslalm losmaschiert.

See mit Rainbachscharte bei Nacht

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Der Steig von der Zittauer Hütte hinunter bis zur Materialseilbahn ist recht steil und führt an einigen kleineren Wasserfällen vorbei. Unten an der Talstation der Materialseilbahn haben wir dann endlich unser 1. Murmeltier auf unserer Tour zu Gesicht bekommen. Es saß etwa 5 Meter von uns entfernt und hat brav stillgehalten bis der Hermann einige Fotos von ihm gemacht hatte.

Mankei

Mankei

Mankei

Von der Materialseilbahn ging es dann auf dem Fahrweg hinunter zur Trisslalm, von wo aus der Leitenkammersteig nach rechts abzweigt. Dieser führt zunächst steil durch den Wald hinauf und dann mäßig steil über eine Almwiese bis zum Abzweig zur Seekarscharte. ( ca. 45 Min ab Trisslalm ) Von dort geht es über mit Felsen durchsetztes Almgelände, später zunehmend über Felsen hinauf zur Seekarscharte. Der Weg ist zwar ausreichend und gut markiert, z.T. sind die Markierungen aber recht schwierig zu finden. Bis rauf zur Seekarscharte ( 2519 m) weiden Schafe und ein junges Murmeltier haben wir auch noch gesehen, zum Fotographieren war es aber leider zu weit entfernt. Nach weiteren 2,25 Std haben wir die Seekarscharte erreicht und sind von dort in ca. 50 Min. steil hinab zum Seekarsee abgestiegen. Dort haben wir uns noch eine kleine Pause mit Brotzeit gegönnt, um dann das letzte Stück des Abstiegs in Angriff zu nehmen.

Seekarsee

Vom Seekarsee führte der Weg über mit Felsen durchsetzte Wiesen z.T. ehr steil hinunter zur Seekaralm. Von dort aus ist der Weg ein durchgängiger Wanderweg, der aber sehr schmal ist und an vielen Stellen auch sehr steil. Da der Weg durch den Wald führt sind die Steine z.T. recht moosig und dadurch sehr rutschig. Auch im Bereich der vielen kleinen Bäche die zu queren waren, war es sehr rutschig und auch matschig. Insgesamt haben wir für den Weg von der Seekarscharte hinunter nach Krimml ( 1500 hm â ) 3. Std. gebraucht und hatten das Gefühl unsere Knie danach wegschmeißen zu können. Trotz des nicht erreichten 3000er Gipfels und einiger recht strapaziöser Abschnitte des Wegs war es eine tolle Tour.

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